„Was soll ich eigentlich üben?“ Warum ich ein persönliches Übebuch für meine Querflöten-Schüler:innen entwickelt habe 🎶
Aktualisiert: 31. Aug.
„Was soll ich heute üben?“
Eine eigentlich ganz einfache Frage - und für viele Kinder (und übrigens auch Erwachsene), die gerade ein Instrument lernen, gar nicht so einfach zu beantworten.

Im Unterricht ist alles klar: Wir haben gemeinsam eine Übung gemacht, ich erkläre, worauf es ankommt, wir probieren etwas aus und ich gebe vielleicht noch eine kleine Aufgabe für zu Hause mit. Doch dann kommt der Moment, in dem das Kind zu Hause mit seiner Flöte sitzt.
Und plötzlich ist die Frage wieder da:
Was soll ich jetzt eigentlich machen?
Genau an diesem Punkt beginnt die Idee für mein neues Übebuch.
Üben ist mehr als Wiederholen
Wenn man ein Instrument lernt, ist regelmäßiges Üben natürlich wichtig. Aber was bedeutet „Üben“ eigentlich?
Gerade für Anfänger:innen ist das oft ziemlich abstrakt. „Üb das noch einmal“ klingt zunächst nach einer klaren Aufgabe, aber was genau soll dabei beachtet werden? Wie oft soll ich es spielen? Was mache ich, wenn es nicht klappt? Und wann ist eine Übung eigentlich „fertig“?
Ich möchte meinen Schüler:innen deshalb möglichst früh vermitteln, dass Üben nicht einfach bedeutet, etwas immer wieder von vorne zu spielen.
Üben bedeutet:
ausprobieren, zuhören, verändern, wiederholen, entdecken und Fortschritte machen.
Und genau dabei möchte ich sie unterstützen.
Aus einzelnen Übungen wird eine persönliche Sammlung
So entstand die Idee, die verschiedenen Übungen, die wir im Unterricht kennenlernen, auf einzelnen Karten festzuhalten.
Jede Karte enthält eine konkrete Übung für die Querflöte und eine ausführliche Anleitung. Die Karten gehören zu unterschiedlichen Bereichen, zum Beispiel:
Körper & Atmung
Ansatz & Tonqualität
Finger-Technik und Musiktheorie
Rhythmus
Improvisation
und weitere musikalische Bereiche
Wenn eine Übung im Unterricht erarbeitet wurde, kommt die entsprechende Karte ins persönliche Übebuch.

Das Schöne daran: Das Buch ist nicht von Anfang an fertig.
Es wächst mit dem Schüler oder der Schülerin.
Nach und nach kommen neue Karten dazu. Jede Karte steht dabei auch für etwas, das wir im Unterricht gelernt und erarbeitet hat.
So wird der eigene Lernweg sichtbar.
Jeden Tag mit der Querflöte ein bisschen anders
Ein weiterer wichtiger Gedanke hinter dem Übebuch ist die Abwechslung.
Für eine Übeeinheit wählt der Schüler oder die Schülerin aus jeder Kategorie eine Übung aus. Am nächsten Tag können es wieder andere Übungen sein.
Dadurch entsteht eine gewisse Struktur, ohne dass jeder Tag gleich ablaufen muss.
Und genau das finde ich beim Üben wichtig: Es soll einen Rahmen geben, aber auch Freiheit.

Man darf selbst entscheiden, welche Übung man heute machen möchte. Du darfst ausprobieren, wie sich eine Aufgabe verändert. Du darfst wieder zu einer Übung zurückkehren, die besonders viel Spaß gemacht hat.
Denn wenn vor allem Kinder lernen, ihre eigene Übezeit mitzugestalten, entsteht nach und nach etwas ganz Wertvolles:
Selbstständigkeit.
Warum die Übungen auf Karten stehen
Vielleicht fragst du dich: Warum eigentlich Karten?
Ich mag daran besonders, dass jede Übung für sich steht. Man kann sie einzeln anschauen, bearbeiten und später wieder im Buch nachschlagen.
Außerdem können die Karten nach Kategorien sortiert werden. Dadurch entsteht kein unübersichtlicher Stapel von Übungen, sondern eine persönliche Sammlung, in der man sich immer besser zurechtfindet.
Und für die Schüler:innen gibt es noch einen ganz praktischen Nebeneffekt:
Eine neue Karte fühlt sich ein bisschen wie ein kleiner Erfolg an.
„Die habe ich jetzt gelernt. Die darf in mein Buch.“
Das macht den eigenen Fortschritt greifbar.
Auch für Eltern soll das Üben leichter werden
Ich weiß, dass das Thema Üben nicht nur für Kinder eine Herausforderung sein kann.
Viele Eltern möchten ihr Kind beim Instrumentalunterricht unterstützen, sind aber selbst keine Musiker:innen. Sie wissen vielleicht nicht, worauf sie achten sollen oder wie sie helfen können, wenn das Kind sagt: „Ich weiß nicht mehr, wie das geht.“
Deshalb sind die Übungen auf den Karten möglichst ausführlich beschrieben.
Natürlich ersetzt eine Karte nicht die persönliche Erklärung im Unterricht. Aber sie soll dabei helfen, sich zu Hause wieder daran zu erinnern:
Was haben wir gemacht? Wie ging die Übung noch einmal? Worauf sollte ich achten?
So können Eltern bei Bedarf unterstützen, ohne selbst die Rolle der Lehrkraft übernehmen zu müssen.
Kein starrer Übeplan
Mir war bei der Entwicklung außerdem wichtig, dass das Übebuch kein System wird, bei dem jeden Tag eine lange Liste abgearbeitet werden muss.
Menschen lernen unterschiedlich und haben unterschiedliche Tagesformen.
An einem Tag läuft eine Übung wunderbar. Am nächsten Tag fühlt sich dieselbe Aufgabe plötzlich ganz anders an. Manchmal braucht eine Sache mehr Zeit. Manchmal entsteht aus einer kleinen Übung eine ganz eigene musikalische Idee.
Deshalb möchte ich mit dem Übebuch vor allem eines schaffen:
Orientierung, ohne den Spaß und die Kreativität zu verlieren.
Die Lernenden sollen sich Zeit nehmen, ausprobieren, wiederholen und auch einmal eigene Ideen entwickeln dürfen.
Und jetzt kommt die erste Testversion
Das Übebuch ist ganz neu.
Die erste Version ist fertig und wird nun mit meinen Schüler:innen ausprobiert. Ich bin sehr gespannt darauf, wie vor allem Kinder damit arbeiten, was ihnen leichtfällt, welche Übungen besonders beliebt sind und wo vielleicht noch etwas verbessert werden kann.
Denn für mich ist dieses Buch kein abgeschlossenes Produkt.
Ich möchte es gemeinsam mit meinen Schüler:innen weiterentwickeln.
Was funktioniert gut? Was fehlt? Was macht Spaß? Wo brauchen sie noch mehr Unterstützung?
Genau diese Rückmeldungen möchte ich sammeln und in die nächsten Versionen einfließen lassen.
Mein Wunsch für das Übebuch
Am Ende wünsche ich mir, dass meine Klasse ihr Buch irgendwann in die Hand nehmen und denken:
„Wow, das alles kann ich schon!“
Nicht nur, weil sie viele Karten gesammelt haben.
Sondern weil hinter jeder Karte eine Übung, eine Erfahrung, ein kleiner Fortschritt und ein Stück musikalischer Entwicklung steckt.
Vielleicht wird aus dem anfänglichen „Was soll ich üben?“ irgendwann ein:
„Heute probiere ich mal diese Übung!“
Und vielleicht wird genau daraus eine eigene, selbstständige Beziehung zum Üben und Musizieren.
Denn darum geht es für mich beim Instrumentalunterricht letztendlich:
Nicht darum, dass Kinder möglichst viele Aufgaben erledigen.
Sondern darum, dass sie Musik entdecken, ihr Instrument kennenlernen, selbstständig werden und Freude daran haben, immer weiterzulernen. 🎶
Bist du auch an dem Übebuch interessiert, vielleicht weil du selbst Flöte spielst oder unterrichtest? Dann melde dich doch gerne und ich sende dir eine Testausgabe zu!
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Bis bald, Eure Marie-Kristin (die Ohrenspielerei)




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