Musik mit Alltagsgegenständen


Musik umgibt uns fast den ganzen Tag - ob beim Autofahren, beim Sport oder Kochen oder zu Hause als entspannte Abend-Beschäftigung. Zum Teil erleben wir Klänge aber auch unbewusst, beispielsweise im Hintergrund beim Einkaufen oder aus dem Nachbarhaus. Von diesen unbewussten Klangquellen gibt es noch viel mehr - wenn man es genau nimmt, hören wir permanent irgendetwas - ob Musik oder Geräusch oder unseren eigenen Herzschlag - absolute Stille gibt es nicht.

Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass sich viele Musiker:innen und Pädagog:innen immer wieder mit diesem Phänomen des Hörens beschäftigen und auf Klänge sensibilisieren wollen. Mache jetzt mal eine kurze Pause im Lesen und lausche auf deine Umgebung. Was hörst du? Kannst du die Klänge definieren und benennen? Jetzt spitze die Ohren noch ein wenig mehr - auf Höreindrücke außerhalb dem Offensichtlichen. Kannst du auch entfernte oder ganz leise Geräusche hören?


Die Erweiterung des Musik-Begriffs

John Cage

Die Suche nach immer weiteren Klangmöglichkeiten und Spielweisen beschäftigt nicht nur Musikpädagog:innen, auch Komponisten und Komponistinnen der Neuen Musik experimentieren mit Gegenständen und Material als Instrumente und erweiterten somit schon Anfang des 20. Jahrhunderts den Musik-Begriff.

Ja, was ist eigentlich Musik und was ist Nicht-Musik? Was ist Klang und was Geräusch? Das lässt sich heutzutage gar nicht mehr so genau schwarz-weiß definieren, denn jedes hörbare Ereignis kann, in den entsprechenden Kontext gesetzt, Musik sein - sogar die Stille (vgl. John Cage’s “4’33”).


Aus dieser Idee entstandene Performance-Gruppen, wie die berühmte Show “Stomp”, verwenden Alltagsgegenstände und komponieren daraus spannende und manchmal ziemlich komplizierte Rhythmen und Stücke.



Gegenstände im Musizieren mit Kindern

Und dann geht es auch schon los - mit Gegenständen, die uns jeden Tag umgeben wird musiziert. Das hat einen ganz großen Vorteil - Alltagsgegenstände stehen jedem zur Verfügung und lassen sich schnell zusammensammeln, wenn zum Beispiel keine oder wenige traditionelle Instrumente im Raum vorhanden sind. Sie können von den Spielenden direkt als Ausdrucksmedium genutzt werden, vielleicht braucht man eine Art Schlägel und sofort ist das Instrument bereit. Zunächst wird ausprobiert, wie denn das eigene Instrument, also der eigene Gegenstand, klingt. Gibt es laute oder leise Töne? Können unterschiedliche Spielweisen entdeckt oder gar erfunden werden? Wie klingt das Instrument (hell - dunkel, kurz - lang, usw.)? Können die Kinder zum Beispiel 3 verschiedene Klänge aus ihrem Instrument zaubern und sie der Gruppe vorstellen? Die Kinder beginnen spezifisch zu hören und einen Wortschatz zum Beschreiben von Klang zu erarbeiten.





Eingepackt in ein Lied kann es dann auch direkt weitergehen, beispielsweise mit der Küchenmusik und dem musikalischen Wasserhahn.


https://www.youtube.com/watch?v=hT0HnQJEXhw&ab_channel=grafik-film






Weitere Spielideen

Mit Kindern macht die Suche nach Klängen großen Spaß. Im Folgenden sind ein paar Spielideen aufgelistet, die man schnell mit Kindern umsetzen kann und die alle das genaue Lauschen anregen möchten. Viele davon kommen aus der allgemeinen Hör-Sensibilisierung, können daher mit Alltagsgegenständen, aber auch Stimme, Instrumenten usw. gespielt werden. Das Gehör wird auf akustische Feinheiten geschult und neue Klänge werden entdeckt.


1. Richtungshören im Raum:

Die Kinder stehen oder liegen im Raum verteilt. Alle schließen die Augen. Ein Kind verändert leise seinen Standort und beginnt, einen Ton zu summen. Die anderen deuten nun in die Richtung, aus der der Klang kommt. Nun dürfen die Augen wieder geöffnet werden und alle schauen, ob sie es erraten haben. Dieses Spiel kann auch mit Instrumenten-Klängen gespielt werden.


2. Wie lange klingt der Ton?

Hier geht es um ein ganz genaues Hinhören. Auf einem lang klingenden Instrument spielt die Spielleiterin oder der Spielleiter einen Ton an. Die Kinder lauschen, wie der Ton nun verklingt. Wenn sie denken, dass der Ton zu Ende ist, heben sie langsam die Hand. Je näher man an der Schallquelle sitzt, desto länger kann man ggf. den Ton hören.

Variation: Jedes Kind bekommt ein Instrument und alle spielen nacheinander im Kreis, immer dann, wenn der Ton des vorherigen Spielers/der vorherigen Spielerin verklungen ist (”Tonreihe”).


3. Instrumentensack:

In einem Sack sind verschiedene Instrumente oder Gegenstände versteckt. Dieser wird nun leicht geschüttelt und die Kinder versuchen, die einzelnen Objekte/Materialien/Instrumente zu erraten.


4. Klangexpedition und Steckbrief des Klangs erstellen

Die Kinder gehen auf eine Reise durch den Raum (oder sogar durch das Haus oder den Garten). Die Aufgabe ist es, einen ganz besonderen Klang zu entdecken, es ist schließlich eine Expedition. Auf einem Steckbrief werden dann die Details zum gefundenen Geräusch notiert (Wie könnte es heißen? Wie wird es gespielt? Welche Eigenschaften hat der Klang? usw.). So werden musikalische Parameter spielerisch entdeckt. Ggf. helfen Karten mit Assoziations-Wörtern bei der Kategorisierung der Klänge.


5. Vertonung von Klanggeschichten und Klangcollagen mit Gegenständen

Geschichten und kleine Szenen werden mit Klängen der Alltagsgegenstände gestaltet - dabei können Klang-Ereignisse bestimmten Figuren oder Aktionen zugeordnet sein, es können aber auch Stimmungen und Hintergrundmusik entstehen.


6. Einstieg in Instrumentenbau

Die Kinder entdecken Materialien und Objekte, mit denen musiziert werden kann - unabhängig von den ihnen bereits bekannten “traditionellen” Instrumenten. Davon ausgehend können dann gemeinsam Instrumente gebaut werden. Dies kann zum Beispiel eine Trommel aus einem Blumentopf sein, eine Schuhkarton-Gitarre, Rasseln aus Klopapierrollen oder das bekannte Kazoo. Die Kreativität der Kinder wird hierbei sicherlich noch viele weitere Ideen entstehen lassen.


7. Bucket-Drumming und Küchen-Drumset

Aus Eimern und Töpfen kann sehr schnell eine Art Schlagzeug zusammengestellt werden. Erhält jedes Kind einen Eimer, ein Fass oder einen Topf entsteht mit wenig Aufwand und Mitteln ein Trommel-Orchester.


8. Musik mit Tisch, Bechern, Büchern, Gegenstände aus dem Federmäppchen

Relativ schnell sind alltäglich verwendete Gegenstände zusammengesammelt und daraus entsteht eine Klassenzimmer-Musik.



Dodo spielt Alltagsgegenstände

Auch Dodo entdeckt auf ihrer Reise eine Vielzahl an neuen Klängen. Im Land der 1000 Dinge dann, gemeinsam mit dem Klangzauberer Hermeto, auch auf Gegenständen - auf Tassen, mit Schlüsseln, Zeitungen und co.

Im Lied “Hört mal wie das klingt” wird dies beschrieben und alle spielen gemeinsam dazu.


Hier auch noch die gesamte 3. Folge von "Dodo auf der Suche nach der Musik" für euch zum Nachhören!




Literatur:

https://www.edidact.de/downloadable/download/sample/sample_id/5175/

https://www.school-scout.de/52893-alles-klingt-wir-musizieren-mit-alltagsgegenstaend

https://www.youtube.com/watch?v=A7rKDa4jqok

https://www.youtube.com/watch?v=tY6YtrDw9us&ab_channel=HelblingMusikpädagogik


 

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Wir freuen uns schon auf das nächste spannende Thema.


Auf bald,

Eure Marie & Marie & Dodo (die Ohrenspielerei)


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